Tag-Archiv für 'vinyl'

[Vinylfetisch #5] Nach der Kippe Pogo?!

Zu Antitainment – von mir liebevoll die beste Band Hessens genannt – hatte ich im Laufe der Jahre ein seltsames Verhältnis.

Zum ersten Mal kam ich mit ihnen in Berührung, als ich mit einer meiner alten Bands die Bühne mit ihnen teilen durfte. Im Vorfeld hörte ich also in ihre damals aktuellste Veröffentlichung rein und fand das ziemlich scheisse. Studenten, die anstrengende Mucke mit verkopften Texten machten, damit kam ich damals gar nicht klar.

Und so verschwand ich nach unserem eigenen Auftritt auch sofort im Backstage und ignorierte die anstrengenden Studis komplett. Sau dämlich, aber so steht es geschrieben.

Im Laufe der Jahre stieg allerdings meine Toleranz bezüglich anstrengender Musik und verkopfter Texte und ja, auch gegenüber Studenten. Und je mehr und je öfter ich Antitainment hörte, die plötzlich auch überall auftraten, desto besser fand ich das Ganze und spätestens, als ich mir die „Nach der Kippe, Pogo?!“ besorgt hatte, feierte ich Antitainment hart ab und begann sie eben als beste Band aus Hessen zu bezeichnen (einen Titel, den ihnen bis heute niemand streitig gemacht hat.)

Irgendwann schaffte ich es auch mal, sie mir live anzusehen, allerdings ging es mir an diesem Abend psychisch und physisch so schlecht, dass ich das komplette Konzert mega ätzend fand und sogar soweit in alte Verhaltensmuster zurückfiel, dass ich mich über den hohen Studentenanteil im Publikum (so > 90%) aufregte.

Antitainment fand und finde ich aber weiterhin superklasse, auch wenn ich das aktuellste Album nicht mehr so abfeiere, wie frühere Veröffentlichungen.

Daher gilt weiterhin:

AN-TI-TAIN-MENT
VIEL BESSER ALS DEINE BAND!

Facebook/Label

[Vinylfetisch #4] Dance of Death with Barbara Dickmann!

Jaja, ich weiß, 1. April ist vorbei, aber ich meine es auch wirklich ernst! Und ich weiß natürlich, was ihr sagen wollt: Eine Aerobic Platte? Ernsthaft?
Ja, ernsthaft. Lasst mich ein bisschen ausholen:

Ich weiß, das ist für manche jüngere Semester schwer zu verstehen, aber früher hatten wir so Sachen zum Speichern von Musik, die sich Kassetten nannten. Die gingen ständig kaputt und mussten zurückgespult und umgedreht werden, hatten aber einen gigantischen Vorteil: Man konnte sie sehr leicht mit Musik aus allen möglichen Quellen bespielen.

Einer meiner liebsten Zeitvertreibe in der Adoleszenz war es, für den Heimgebrauch oder als Geschenke für Freunde, Tape-Sampler aufzunehmen. Die Fähigkeit, eine perfekte Mixtur an Bands herzustellen, galt in meinem Freundeskreis als hohe Kunst.

Ich selbst konnte das ganz gut und verpasste den einzelnen Seiten der Kassetten gerne Intros und Outros, was besonders am Ende praktisch war, wenn die verbliebene Bandmenge nicht mehr für einen kompletten Song ausreichte. Zu diesem Zweck schnitt ich kurze Episoden aus allem möglichen Material in die Sampler ein. Besonders beliebt waren Hörspiele und möglichst skurile Flohmarktfunde, wie etwa ein Hörseminar für Banker, das den Umgang mit einer neuen Generation von Tresoren erklärte (ich hoffe, ich habe das noch irgendwo.)

Und wenn mir mal nichts Passendes einfiel, hatte ich immer eine Geheimwaffe, auf die ich mich stets verlassen konnte: die gute alte Barbara Dickmann!

Egal wo ich die Nadel auf die Platte setzte und gleichzeitig auf Play/Record drückte, heraus kam immer ein herrlich schräger Ausschnitt, der mich bei jedem anschließenden Hören der Kassette schmunzeln ließ …

… good times

[Vinylfetisch #3] Hungry Wolves

Wer kennt sie nicht: Situationen, in denen einem einfach Mal das Gehirn durchgeblasen gehört.

Wegen Stress auf der Arbeit, weil zu viele fremde/komische Menschen auf der Party, weil gerade erst aufgestanden, weil harter Tag, oder auch einfach so.

Es gibt natürlich verschiedene Möglichkeiten, dieses Hirndurchblasen zu erledigen, ich greife da aber immer gerne zu Musik, weil sie auch meistens am unkompliziertesten einzusetzen ist.
Und es gibt nur wenige Sachen, die mir für kurze Zeit so den Schmalz aus den Ohren feuern und mich in meiner persönlichen Gedankenblase vor allem abschirmen, wie das epische, mit dicken Eiern behangene, mega Metal-mäßige und absolut obergeile Intro zu „Insanity“ von Burial.

Von Burial ist zwar alles gut und die 7‘ Inch Hungry Wolves ist locker eine der besten HC-Punk Scheiben dieses Jahrtausends, aber alles, was diese Band ausmacht, ist für mich in diesem einen Song kanalisiert und die ersten 25 Sekunden reichen schon, um mich glücklich zu machen und wecken in mir gleichzeitig das Gefühl, gegen einen Mülleimer treten zu müssen.

Und nun, bitte alle Regler nach rechts!

Burial Facebook / Hungry Wolves erschien auf Heartfirst Records

[Vinylfetisch #2] Faster Moving Forward

Auf Red Herring aus Portland bin ich zur Hochzeit von Myspace gestoßen. Damals kümmerte ich mich nicht nur um die Accounts der diversen Bands, in denen ich beteiligt war (zeitweise drei gleichzeitig), sondern durchforstete die unzähligen Bandseiten auch nach brauchbarem Nachschub für meine verwöhnten Ohren. Anarcho-Punk war damals meine Droge der Wahl und so kam ich vermutlich über Harum Scarum letztendlich zu Red Herring (beide Bands teilten sich eine Sängerin).

Zuerst fand ich den Sound einfach nur interessant. Klang irgendwie komisch, aber cool. Gitarre vielleicht etwas seltsam … und der Bass erst … lag das an der Aufnahme?

Nein, es lag daran, dass Red Herring weder Bass noch Gitarre haben und diese Parts von einer Tuba und einem Banjo übernommen werden. Das gibt dem Ganzen ein sehr spezielles Feeling, das mich irgendwie an Folk erinnert, obwohl die Songstrukturen weiterhin simpler Punkrock sind.

In Kombination mit dem mir von Harum Scarum bekannten Gesang, ergab das eine sehr inspirierende Mischung und die einzige Veröffentlichung der Band, die 2008 LP „Faster Moving Forward“ drehte sich oft auf meinem Plattenteller, während ich an unsäglich schlechten Roman-Fragmenten tüftelte und auch noch, als die ersten, halbwegs brauchbaren Kurzgeschichten entstanden.

Anspieltipp: Nervous Habit, Family Dinner

NERVOUS HABIT from Red Herring on Myspace.

[Vinylfetisch #1] Der Krieg der Welten

Heute startet eine neue Serie, bei der ich einige Favoriten aus meiner Plattensammlung vorstelle. Die Platten müssen nicht unbedingt die seltensten oder wertvollsten sein, sondern welche, mit denen ich etwas Persönliches verbinde, oder die mir eben besonders gut gefallen.
Der Clou dabei ist, dass mein Plattenspieler seit Jahren kaputt ist und ich die Scheiben aus dem Gedächtnis bespreche.

Alles klar? Gut. Den Anfang macht:

DER KRIEG DER WELTEN

Wenn ich den Finger auf drei Ereignisse legen müsste, die den Grundstein für meine Begeisterung für Science-Fiction gelegt haben, dann wären dass:

1. Mein Vater drückt mir den ersten Perry Rhodan Silberband in die Hand.

Er hat früher auch die einzelnen Hefte gesammelt, ist aber aus Platzgründen auf die zusammengefassten Silberbände umgestiegen. Und irgendwann, als ich mal nichts zu lesen hatte, hat er diese an mich weitergegeben. Da war mein Alter wohl gerade zweistellig geworden. Heutzutage hat die „Größte Science-Fiction Serie der Welt“ außer einem schrägen Nostalgiefaktor nur noch wenig, was für sie spricht, aber damals fand ich das alles unglaublich neu und interessant. Habe die Bücher dann quasi geerbt und auch selbst weiter gesammelt, bin aber so bei Nr. 20 oder 25 ausgestiegen.

2. Um bei einer Grillparty vor mir Ruhe zu haben, schieben mir meine Eltern eine Videokassette in den Rekorder.

Darauf war ein Film, den man damals noch „Krieg der Sterne“ nannte. Darüber brauche ich wohl nicht allzu viel zu schreiben, außer vielleicht, dass ich total geflasht war und sich die nächsten Jahre alle Babysitterinnen (haha, ja) mit mir immer und immer wieder „Die Rückkehr der Jedi Ritter“ ansehen mussten. Lockerer Job.

3. Ich sitze am Wochenende im Wohnzimmer auf dem Boden, höre die „Krieg der Welten“ Schallplatte und blättere fasziniert im Beiheft.

Und an die Bilder aus dem Booklet habe ich auch heute noch die lebhaftesten Erinnerungen. Vor dem roten Polypen hatte ich damals richtig schiss (vor den Dreibeinern natürlich auch). Besonders interessant fand ich auch die Bilder von den unterirdischen Städten, in die sich die Menschen zurückgezogen hatten. Heutzutage würde man sowas wohl Steampunk nennen.
Aber auch die eigentliche Musik hat sich in mein Hirn eingebrannt und von den ersten Tönen des Intros bekomme ich noch heute Gänsehaut. Vermutlich war ich damals etwas zu Jung, um mir das anzuhören. Ich fand es schon sehr unheimlich, aber sowas übt ja, gerade in jungen Jahren, auch eine starke Faszination aus.

Meine Mutter hat dann auch jahrelang auf der Platte gehockt, obwohl sie selbst keinen Plattenspieler mehr besitzt. Ich wollte ihr das Doppelalbum mehrmals abkaufen, aber sie konnte sich lange nicht davon trennen, bis sie es mir dann vor einigen Jahren zum Geburtstag (oder zu Weihnachten) schenkte.

Entsprechende Youtube-Videos sind leider in Deutschland wegen der netten GEMA blockiert, aber da gibt es ja Mittel und Wege, ne ;-) I’m behind seven proxys!