Tag-Archiv für 'punk'

[Vinylfetisch #5] Nach der Kippe Pogo?!

Zu Antitainment – von mir liebevoll die beste Band Hessens genannt – hatte ich im Laufe der Jahre ein seltsames Verhältnis.

Zum ersten Mal kam ich mit ihnen in Berührung, als ich mit einer meiner alten Bands die Bühne mit ihnen teilen durfte. Im Vorfeld hörte ich also in ihre damals aktuellste Veröffentlichung rein und fand das ziemlich scheisse. Studenten, die anstrengende Mucke mit verkopften Texten machten, damit kam ich damals gar nicht klar.

Und so verschwand ich nach unserem eigenen Auftritt auch sofort im Backstage und ignorierte die anstrengenden Studis komplett. Sau dämlich, aber so steht es geschrieben.

Im Laufe der Jahre stieg allerdings meine Toleranz bezüglich anstrengender Musik und verkopfter Texte und ja, auch gegenüber Studenten. Und je mehr und je öfter ich Antitainment hörte, die plötzlich auch überall auftraten, desto besser fand ich das Ganze und spätestens, als ich mir die „Nach der Kippe, Pogo?!“ besorgt hatte, feierte ich Antitainment hart ab und begann sie eben als beste Band aus Hessen zu bezeichnen (einen Titel, den ihnen bis heute niemand streitig gemacht hat.)

Irgendwann schaffte ich es auch mal, sie mir live anzusehen, allerdings ging es mir an diesem Abend psychisch und physisch so schlecht, dass ich das komplette Konzert mega ätzend fand und sogar soweit in alte Verhaltensmuster zurückfiel, dass ich mich über den hohen Studentenanteil im Publikum (so > 90%) aufregte.

Antitainment fand und finde ich aber weiterhin superklasse, auch wenn ich das aktuellste Album nicht mehr so abfeiere, wie frühere Veröffentlichungen.

Daher gilt weiterhin:

AN-TI-TAIN-MENT
VIEL BESSER ALS DEINE BAND!

Facebook/Label

[Vinylfetisch #3] Hungry Wolves

Wer kennt sie nicht: Situationen, in denen einem einfach Mal das Gehirn durchgeblasen gehört.

Wegen Stress auf der Arbeit, weil zu viele fremde/komische Menschen auf der Party, weil gerade erst aufgestanden, weil harter Tag, oder auch einfach so.

Es gibt natürlich verschiedene Möglichkeiten, dieses Hirndurchblasen zu erledigen, ich greife da aber immer gerne zu Musik, weil sie auch meistens am unkompliziertesten einzusetzen ist.
Und es gibt nur wenige Sachen, die mir für kurze Zeit so den Schmalz aus den Ohren feuern und mich in meiner persönlichen Gedankenblase vor allem abschirmen, wie das epische, mit dicken Eiern behangene, mega Metal-mäßige und absolut obergeile Intro zu „Insanity“ von Burial.

Von Burial ist zwar alles gut und die 7‘ Inch Hungry Wolves ist locker eine der besten HC-Punk Scheiben dieses Jahrtausends, aber alles, was diese Band ausmacht, ist für mich in diesem einen Song kanalisiert und die ersten 25 Sekunden reichen schon, um mich glücklich zu machen und wecken in mir gleichzeitig das Gefühl, gegen einen Mülleimer treten zu müssen.

Und nun, bitte alle Regler nach rechts!

Burial Facebook / Hungry Wolves erschien auf Heartfirst Records

[Vinylfetisch #2] Faster Moving Forward

Auf Red Herring aus Portland bin ich zur Hochzeit von Myspace gestoßen. Damals kümmerte ich mich nicht nur um die Accounts der diversen Bands, in denen ich beteiligt war (zeitweise drei gleichzeitig), sondern durchforstete die unzähligen Bandseiten auch nach brauchbarem Nachschub für meine verwöhnten Ohren. Anarcho-Punk war damals meine Droge der Wahl und so kam ich vermutlich über Harum Scarum letztendlich zu Red Herring (beide Bands teilten sich eine Sängerin).

Zuerst fand ich den Sound einfach nur interessant. Klang irgendwie komisch, aber cool. Gitarre vielleicht etwas seltsam … und der Bass erst … lag das an der Aufnahme?

Nein, es lag daran, dass Red Herring weder Bass noch Gitarre haben und diese Parts von einer Tuba und einem Banjo übernommen werden. Das gibt dem Ganzen ein sehr spezielles Feeling, das mich irgendwie an Folk erinnert, obwohl die Songstrukturen weiterhin simpler Punkrock sind.

In Kombination mit dem mir von Harum Scarum bekannten Gesang, ergab das eine sehr inspirierende Mischung und die einzige Veröffentlichung der Band, die 2008 LP „Faster Moving Forward“ drehte sich oft auf meinem Plattenteller, während ich an unsäglich schlechten Roman-Fragmenten tüftelte und auch noch, als die ersten, halbwegs brauchbaren Kurzgeschichten entstanden.

Anspieltipp: Nervous Habit, Family Dinner

NERVOUS HABIT from Red Herring on Myspace.

The glorious Pipes of Darmstadt!

Über die Band Karmacopter aus Mannheim habe ich hier an verschiedenen Stellen nur gutes verloren – und das völlig zu Recht, schließlich haben die Copters mit ihrem Erstlingswerk „Goodbye Haptik“ eine meiner absoluten Lieblingsplatten der letzten fünf Jahre abgeliefert.

In einer Plattenbesprechung für ein dann leider nie erschienenes Fanzine drückte ich mich anno 2009 so aus:

Ein passendes Adjektiv für den Sound von Karmacopter ist sicherlich: treibend.
Wem die üblichen Indie-/Studentenbands zu lahm, gewöhnlicher Deutschpunk aber zu doof ist, der wird hier vielleicht fündig. Karmacopter mischen abwechslungsreichen Punk(Rock) mit sehr guten, leicht kryptischen Texten. Genau mein Ding. Für die beiden Songs „Neulich im Boot Camp“ und „Vocalhouse“ würde ich die Band gerne heiraten, so als persönliches Dankeschön. Einziges (wenn auch winziges) Manko: Der Refrain von „Verheizt“ klingt total nach Tote Hosen, allerdings würden die vor Freude im Quadrat springen, wenn sie so gute Songs schreiben könnten.
Schickes minimalistisches Layout, alle Texte, weißes Vinyl und Downloadcode. Geiles Teil, geile Band. Bitte mal in der Umgebung von FFM auftreten.

Die zweite EP „California“ ist dann sogar quasi mit auf meinem damaligen Label SPASS BEISEITE RECORDS erschienen. Da ich kurz nach der Veröffentlichung aber leider aufgehört habe, regelmäßig Konzerte zu besuchen und dort Platten und Tapes zu verkaufen, fristen immer noch etwa 60 Exemplare davon ein Schattendasein in einem meiner Schränke. Wer eine haben möchte, kann sich sehr gerne melden *Zaunpfahl* *Zaunpfahl* *Wink* *Wink*

Nun haben Karmacopter leider ihre Auflösung bekannt gegeben, für mich besonders bedauerlich, da ich sie nun nicht mehr Live sehen kann und der Kontakt zur Band darauf beschränkt bleiben wird, dass ich mit Sänger/Gitarrist Van Dante per Facebook Anime-Tipps austausche.

Außerdem kann so ihr letzter Output „Erzkaul bei Nacht“ nicht mehr regulär erscheinen. Cool wie die Copters aber sind, gibt es die Songs für alle Interessierten zum kostenlosen Download und ich kann nur sagen, dass die Abschieds-EP verteufelt gut geworden ist und mir deutlich besser als die California gefällt, die mir persönlich irgendwie zu hektisch und zu kurzweilig war.

Den Stil von Karmacopter zu beschreiben, ist ziemlich kompliziert. In der Fachpresse fallen öfter vergleiche mit der kanadischen Band NO MEANS NO, aufgrund meiner kompletten Unkenntnis bezüglich des Werkes dieser Gruppe, kann ich dazu leider nichts sagen. Ich selbst habe mal zu einer Bekannten gesagt: „Stell dir vor, diese Bands wie Turbostaat und Co. hätten noch bessere Texte und würden auf einmal gute, laute und schnelle Musik machen.“

Was irgendwie auch ein blöder Vergleich ist, da ich überhaupt kein Turbostaat und Co. höre (allerdings meine Bekannte)

Karmacopter spielen einen sehr eigenständigen Mix aus treibenden Punkrock-Parts, Hardcore-mäßigen, sperrigen Breaks und von einer Art von wütender Melancholie getränkten Passagen, die mich irgendwie an Chaos Z/Fliehende Stürme erinnern oder an eine Zeit, als Tocotronic noch cool waren. Und das alles innerhalb eines Liedes, versteht sich.

Auch diese Beschreibung wird dem ganzen nicht gerecht, aber besser kann ich es nicht. Herzstück sind sowieso die meist auf eine angenehme Art verkopften Texte, deren ursprüngliche Intention mir wohl meist verborgen bleibt, die aber oft irgendwo in mir eine bestimmte Seite zum klingen bringen.

Die Band selbst bezeichnet ihren Stil übrigens als Slacker-core (oder als Misanthropop!)

Lange Rede, kurzer Sinn: Karmacopter sind bombe und jeder mit ein bisschen Musikgeschmack sollte sich die Erzkaul bei Nacht runterladen (Anspieltipp: The glorious pipes of darmstadt, tausend tode) und am besten auch gleich das komplette Gesamtwerk besorgen!

Karmacopter / Web / Facebook / Bandcamp

Why does this remind me so much of a bad day at work?!

Kaput Krauts – Versuchen, einsehen, einigen

das ist doch immer nur das selbe
ok, mit immer anderen worten
buchstabensalat vs. heisser brei
eine wueste schlammschlacht
zwischen diplomaten
guter wille, kompromisse
und weiter geht´s im kreis

und nach dem wasweissichwievielten versuch
hat man irgendwann genug

ich versteh nicht, was du sagst und ich hab kaum noch reserven
und das ständige gerede geht mir auf die nerven
du gibst dir muehe, ich geb mir muehe
deklinationen, synonyme, und all der andere quatsch

eine grundsatzdiskussion
um zwei uhr nachts am telefon
ein wenig zwei-mann-theater
ein bisschen warten auf godot
erstens war es nicht so gemeint
zweitens ist das auch egal
drittens wiederhole ich mich
nicht mit anderen worten nochmal

denn ich sehe langsam ein, und du siehst sicher ein
dass hier langsam aber sicher niemand mehr was einsieht

ich versteh nicht was du sagst und ich kann mich nicht erklaeren
und das staendige gerede artet aus in laerm
du gibst dir muehe, ich werde muede
vom hin- und herschieben von schuldgefuehlen und all dem anderen quatsch

also einigen wir uns jeder für sich darauf
dass wir uns nicht mehr einig werden

Aus dem Album: Quo vadis, Arschloch

Kaput Krauts/ Facebook / Website

The Best of Wahrheit ist jetzt nicht genug!

Inner Conflict aus Köln sind momentan mit ziemlich großem Abstand meine liebste Punk-Band aus Deutschland; und zusammen mit Iron Maiden meine meistgehörte Band der letzten 1-2 Jahre.

„Wer mit Maiden in einem Satz genannt wird, der hat es geschafft!“ So (oder eher so ähnlich) drückte sich der Sänger der von mir sonst unbeachteten Beatsteaks aus, als ich sie als Vorband von Iron Maiden sah. Leuchtet mir ein, diese Aussage.

Inner Conflict selbst habe ich hier schon das eine oder andere mal abgefeiert, zuerst hier. Um zu beschreiben, was mir an dieser Kapelle so gut gefällt, bediene ich mich gerne leerer Worthülsen aus diversen Musikmagazinen, wie z.B.: eingängige Melodien, Musik die Ärsche tritt, sehr gute Texte – abseits von dem üblichen Parolengedresche, toller (weiblicher) Gesang … usw.

Nun aber zum eigentlichen Grund dieses Beitrags: Mittlerweile ist das fünfte Studioalbum „Schere Klebstoff Papier“ im Kasten und bevor es in einigen Tagen als physischer Tonträger erscheint, gibt es das komplette Album als Name-your-price download auf der Bandcamp-Seite zum runterladen.

Falls ihr Lust habt, uns zu unterstützen, empfehlen wir 4€ als unverbindliche Preisempfehlung. It’s up to you!

Dafür gibt es locker 1000 Coolness- + Streetcredibility-Punkte! Ich habs natürlich gleich gekauft und war auf der Fahrt zur Arbeit gestern schonmal ziemlich Happy damit. Absoluter Anspieltip ist „No Anthem“. Das wird bei der nächsten EM/WM bei mir auf dauerrotation laufen.

Also, anhören, gut finden, lächerlich wenig Geld bezahlen, runterladen!!!

Inner Conflict: Facebook / Bandcamp / Website / Twitter

Anschlusstreffer!


Inner Conflict – No Anthem For Me

http://innerconflict.bandcamp.com/