Tag-Archiv für 'cyberpunk'

Der Mörder ist immer der Müllmann!

Im Falle von Adam Sternberghs neuem Roman „Spademan“ ist der Plan kluger Marketingstrategen voll aufgegangen.

Ich höre auf dem Weg zum Frühdienst fast nur noch Radio. Ausschließlich HR-Info, also Nachrichten und Berichte. Zu dieser frühen Stunde ist mir Musik meistens zu anstrengend, was wohl an meinem Musikgeschmack liegt.

Eines Morgens wurde dort Spademan vorgestellt und von der Sprecherin in höchsten Tönen gelobt. Spannend, tolle Schreibe, ein absoluter Pageturner. Nahkzukunft mit leichten Sci-Fi Anleihen, präzise, hart, dreckig. Klang alles so, als wäre das genau meine Kragenweite und kaum zu Hause angekommen, habe ich das Buch bestellt.

Ein Fall von perfekt funktionierender Werbung.

Jetzt habe ich das Buch ausgelesen und bin sehr sehr unterwältigt.

Dabei sind die Zutaten alle da. New York in naher Zukunft, zum Großteil entvölkert durch die Explosion einer schmutzigen Bombe auf dem Times Square. Spademan, ein ehemaliger Müllmann, der sein Geld als Auftragskiller verdient und einen Ehrenkodex ala Leon-Der Profi hat. Die verbliebenen Bewohner des Big Apple flüchten sich entweder in die virtuelle Realität der Limospähre, oder fristen ihr Dasein in elendigen Camps.

Das klingt erstmal alles interessant und ich fühlte mich zu anfangs auch direkt heimisch. Aber ich glaube, genau das ist auch mein Problem. Mir ist das alles sehr vertraut. Für Leser, die sich in diesem Genre sonst nicht bewegen, ist das sicher alles spannend, neu und aufregend, aber für jeden, der schon mal was von William Gibson oder Neal Stephenson gelesen hat, ist das alles kalter Kaffee.

Ein aus ausgewählten Zutaten hergestellter und gekonnt aufgebrühter Kaffee, um mal bei dieser Metapher zu bleiben, aber er ist eben kalt.

Der Schreibstil ist nicht halb so Hard-boiled, wie er es gerne wäre, macht am Anfang seine Sache zwar sehr gut, schafft es aber einfach nicht, richtig Fahrt aufzunehmen. Auf den letzten 40 Seiten wird ziemlich krampfhaft noch versucht, einen großen Showdown heraufzubeschwören, aber da ist es auch einfach schon zu spät und das Finale verpufft wirkungslos. Eine der großen Enthüllungen ist zudem (wahrscheinlich unabsichtlich) aus Ghost in the Shell 2 abgekupfert.

Nervig fand ich beim lesen außerdem, das die wörtliche Rede nicht gekennzeichnet ist. Also kein:

„Leck mich am Arsch!“, sagte Frank und schnaubte den Rauch seiner Zigarette aus den Nasenlöchern.

Sondern:

Leck mich am Arsch!
Frank schnaubte den Rauch seiner Zigarette aus den Nasenlöchern.

(Nur ein Platzhalter, kein Zitat aus dem Buch. So bemüht ist der Stil dann doch nicht)

Was zur Folge hat, dass es teilweise schwer ist, den Gesprächen wirklich zu folgen. Wurde jetzt gerade etwas gesagt? Und wenn ja, wer hat es gesagt? Und wie? Dass das eher schlecht ist, sollte einleuchtend sein. Ich habe so etwas auch noch nie gesehen und kann mir nicht im geringsten Vorstellen, warum der Autor das für eine gute Idee gehalten hat und warum Lektor und Verlag ihm da nicht auf die Finger geklopft haben.

Ist Spademan also ein schlechtes Buch? Nein, sonst hätte ich es erst gar nicht zu Ende gelesen. Es ist aber wohl einfach nicht gut genug für mich, denn mir fallen zu viele Bücher ein, die ähnliche Themen behandeln, dies klüger und kunstfertiger tun und einfach angenehmer zu lesen sind.

- Spademan ist in der Hardcore Reihe des Heyne Verlags erschienen. Gekauft habe ich es bei Amazon

Fakten aus dem Dampf von Nuancen kondensieren!

Lese gerade zum vierten oder fünften mal Neal Stephensons genialen Roman Snow Crash. Und obwohl die Sprawl-Trilogie (allen vorran Neuromancer) literarisch gesehen die besseren Bücher sind, und mir an den meisten Tagen auch besser gefallen, ist Snow Crash der absolute Proto-Cyberpunk-Roman und zu 100% genau das Buch, welches ich gerne schreiben würde. Nie zuvor wurden trashige Hauptfiguren, verblüffend treffsichere Nahzukunftsideen (Google-Earth, anyone?) und seitenlage Diskussionen über Sumerische-Gottheiten, mit Hilfe einer unerreichten Sprache, so gekonnt miteinander verwoben …

Apropos Sprache und Schreiben …

Jetzt wo ich eigentlich wieder mehr Zeit haben sollte, ist Schreiben sowieso wieder ein Thema. Die Ideen für meinen großen Sci-Fi-Roman (den keiner lesen will) haben jetzt über drei Jahre lang intensiv geköchelt und langsam wird es wirklich Zeit, dass die Suppe überkocht.

Hatte eigentlich auch vor, einige meiner alten Kurzgeschichten zu überarbeiten und hier online zu stellen …

Mal schauen …

Playlist:
Black Flag – Damaged
Minor Threat – Complete Discographie
Iron Maiden – Brave New World

Gamelist:
Borderlands 2: Tiny Tina’s Assault on Dragons Keep (PS3)

I ain‘t afraid of no Ghosts in my Shell!


I was named after an awesome sword, bitches.

Ich mag Ghost in the Shell. Jeder mag Ghost in the Shell. Aber was ich noch mehr mag, ist Ghost in the Shell 2. Und was ich gar nicht mag, ist Ghost in the Shell: Stand Alone Complex.

Ich kann mir die kreativen Treffen der Drehbuchautoren zu dieser Serie vorstellen:

Autor 1: Weißt du, was voll geil wäre?

Autor 2: Ne, was denn?

Autor 1: Eine Ghost in the Shell TV-Serie. Lass mal machen, ey!

Autor 2: Ja, mega fette Idee, ey. Fangen wir gleich an!

Autor 1: Ja! JA! Und weißt du, was noch besser wäre? Wenn wir sie in einem Parallel-Universum ansiedeln, wo die zwei Filme und der Manga nie passiert sind!!11

Autor 2: WTF???

Ok, I get it, deshalb heißt es „STAND ALONE Complex“, aber das hat mich trotzdem abgeschreckt und mir den Spaß vergrault. Stimmt aber vielleicht auch alles gar nicht und basiert nur auf Halbwahrheiten, die ich irgendwo im Internet ™ aufgeschnappt habe, was bedeutet, ich sollte den verchromten Stock aus meinem Arsch ziehen und mir die Serie noch einmal ansehen. Aber nur, wenn ich über eine Version mit japanischem Originalton und englischen Untertiteln stolpere, weil ich ein Hipster bin und von deutschen Synchronisationen, die am Ende noch im Auftrag von MTV erstellt wurden, mindestens 20 Meter Sicherheitsabstand halte.

Und zu den zwei Filmen…

Der erste Teil ist ein Klassiker des japanischen Animationsfilms und das will auch keiner ( am wenigsten ich) bestreiten. Aber, wenn mir diese blasphemische Äußerung erlaubt ist, ich finde ihn stellenweise zäh und langweilig (was nicht ganz dasselbe, aber irgendwie doch sehr ähnlich ist). Es scheint so, als könne sich der Film nicht entscheiden, ob er jetzt rotzecooles Cyberpunk-Geballer zeigen, seine verschachtelte Story weitertreiben oder fröhlich Zitate kloppen will; also macht er keines davon und zeigt lieber zehn Minuten lang Außenaufnahme der Stadt und eine Parade oder so.

Teil zwei ist da deutlich straighter. Der sagt von Anfang an: Hey, ich will rotzecooles Cyberpunk-Geballer und voll kluge Zitate kloppen und macht dann konsequent genau das – und auch nur das. Die Story ist ziemlich banane, aber wen stört’s, wenn die Optik so verdammt großartig ist. Wirklich. Selten habe ich so ein perfektes Zusammenspiel vom Zeichnungen und Computergrafik gesehen und hier macht eine solche Technik auch wirklich Sinn, trägt quasi maßgeblich zur Atmosphäre bei.

Zugegeben, man könnte GITS2 mangelnde Substanz unterstellen, aber wie gesagt, das stört mich überhaupt nicht, wenn ich gebannt auf den Bildschirm starre und feschen Cyborgs dabei zusehe, wie sie in einer Szene mit einem M-60 Maschienengewehr eine ganze Yakuza-Belegschaft niedermetzeln und sich in einer anderen ewiglange Zitate von Milton, Dante und was weiß ich noch was gegen die Köpfe werfen.

Den Manga habe ich übrigens auch gelesen, ist aber Jahre her und ich habe keine besonderen Erinnerungen daran. War bestimmt O.K.

Cyber > Steam

This is so great! Gives me the urge to re-read Neuromancer ASAP, and to name my second Son Johnny Lazerpunch!

via Nothing Nice To Say