King of the Bewußtseinsschnorrer!

Es amüsiert mich, zu sehen, wie schnell ich in Verhaltensweisen zurückfalle, von denen ich dachte, dass ich sie schon lange abgelegt hatte.

Zur Erklärung muss ich ein bisschen ausholen:

Als zweifacher Familienvater habe ich scheißeviel zu tun.
Zu Hause ist immer was los und es gibt immer irgendwas, was man besser jetzt machen sollte, weil wer weiß, wann man das nächste Mal zeit hat, eben genau dies zu tun. Kinder sind die großartigste Sache auf der Welt und meine zwei haben mir geholfen, zu einem halbwegs erwachsenen, vollständigen und (so blöd das auch klingt) besseren Menschen zu werden. Trotzdem ist das Ganze auch eine Menge Arbeit. So viel Arbeit, dass es für jemanden ohne Kinder absolut unvorstellbar ist.

Der einfachste Weg, mich tierisch auf die Palme zu bringen, ist mir zu erzählen, dass du ja keine Zeit für irgendwas hast. Das führt dazu, dass ich mir vorstelle, dich an der Kehle zu packen und heftig zu schütteln und dabei zu schreien:
„Keine Zeit? KEINE ZEIT? HULK SAGT, DU WEIßT NICHTS DARÜBER, WIE ES IST, KEINE ZEIT ZU HABEN“
– woraufhin ich dich packe und geschmeidig mit einer Bewegung meiner grünen, extrem muskulösen Arme in den Orbit feure.

Ein weiterer Faktor dabei ist natürlich mein Job, der momentan nur aus zehnstündigen Arbeitstagen besteht, die oft in Gruppen von bis zu elf am Stück auftauchen.

Spongebob Schwammkopf Die Angst vor dem Krabbenburger from SpongePat on Vimeo.

(zu 3:59 springen …)

Wobei ich nicht rumheulen will. Ich mag meinen Job wirklich gerne und gehe morgens mit einem guten Gefühl zur Arbeit. Trotzdem, spätestens am siebten Tag fühle ich mich wie Spongebob in der Folge „Die Angst vor dem Krabbenburger“, in der die Krosse Krabbe niemals schließt, Spongebob ohne Pause einen Burger nach dem anderen Brät und von Tag zu Tag fertiger aussieht und Mr. Krabs mit einer Glocke die Tage zählt, die am Stück gearbeitet wurden. Und ich merke auch wirklich, wie ab diesem Punkt meine Leistung nachlässt, will heißen, ich werde z. B. von Verhaltensweisen der Bewohner genervt, die ich sonst mit einem Lächeln abtun würde und ich verliere meine Fähigkeit, schnell die Situationen zu wechseln und mich individuell auf die unterschiedlichen Personen einzustellen (ein Skill, der einfach zum Handwerkszeug gehört und auf den ich sonst recht stolz bin).

Früher war das alles anders. Logisch. Aber außer dass ich keine Kinder hatte, hatte ich auch keinen Job und keinerlei Elan, mir einen zu besorgen. Warum auch? Ich hing den ganzen Tag zu Hause rum, zockte auf meiner geliebten Playstation 2, schrieb schlechte Scifi-Romane und traf mich mit Kumpels zum gemeinsamen Musizieren.

Zu dieser Zeit war ich genervt und überfordert von jedweden Anforderungen, die an mich gestellt wurden. Wie z.B. einmal am Tag ausgiebig mit den Hunden Gassi gehen, die Küche aufräumen oder den Müll rauszubringen.
Heute kann ich darüber nur noch lachen und habe mehr Elan im kleinen Finger, als mein damaliges Ich im ganzen Körper.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde es amüsant zu sehen, wie ich trotz aller Veränderungen, die ich durchlaufen habe, bei kleinsten Gelegenheiten wieder in die alten Verhaltensmuster zurückfalle …

Neulich waren Lisa und die Kinder für eine Woche im Urlaub. Ich konnte nicht mit, weil ich die ersten drei Tage noch arbeiten musste. Macht vier Tage, die ich ganz für mich alleine hatte.

Natürlich war geplant, dass ich viel zocken und rumgammeln würde (ich hatte mir extra Spec Ops:The Line besorgt, falls ich eine Pause von Ni No Kuni brauchen würde), aber ich sollte auch die Pferde und Kaninchen versorgen und dreimal täglich mit dem Hund rausgehen.

Sollte für mein neues Ich eigentlich kein Problem sein, ein geradezu lächerliches Programm, wenn man es mit einem für mich normalen Tag vergleicht. Und doch war ich schon am zweiten Tag von diesen Kleinigkeiten total genervt und habe mir davon die Laune verderben lassen.

„Grrrr, blöder Hund, warum geht der nicht alleine in den Wald und kommt dann wieder zurück, damit ich hier in Ruhe weiter Zocken/Essen/Attack on Titan gucken kann?“

Habe auch alles an Hausarbeit, die ich erledigen wollte, auf den letzten Tag verschoben und in einem unmenschlichen Marathon alles auf einmal erledigt.

So wie früher mit den Hausaufgaben …

Playlist:
Tragedy – Vengeance
Tocotronic – Wir kommen um uns zu beschweren
Karmacopter – Erzkaul bei Nacht
Schleimkeim – Abfallprodukte der Gesellschaft
Das Stört – Der erhobene Zeigefinger

Gamelist:
Spec Ops: The Line (PS3)
Ni No Kuni: Wrath of the White Witch (PS3)


4 Antworten auf „King of the Bewußtseinsschnorrer!“


  1. Gravatar Icon 1 Roberto 24. Oktober 2013 um 21:35 Uhr

    „Mach ich später/morgen“ wird später mal auf meinem Grabstein stehen :D

  2. Gravatar Icon 2 silentprotagonist 25. Oktober 2013 um 11:35 Uhr

    Ja, wobei ich eigentlich dachte, dass ich mich da gebessert hätte. Aber das stimmt wohl nur beruflich xD

  3. Gravatar Icon 3 stay cold 28. Oktober 2013 um 10:36 Uhr

    „…Und ich merke auch wirk­lich, wie ab die­sem Punkt meine Leis­tung nach­lässt…“

    Jau, kommt mir bekannt vor. Hinzu kommt bei so etwas, dass der Geduldsfaden, der in der Regel dick wie ein Schiffstau ist, im Laufe des Non-Stop-Dienstes zu einem hauchdünnen Fädchen degeneriert und bei dem kleinsten Scheiß zu zerreissen droht… Und genau deswegen übe ich meinen ursprünglichen Job als Krankenpfleger nicht mehr aus. Schade eigentlich. Hoffe, dir bleibt das erspart!

    Gruß

    Oli

  4. Gravatar Icon 4 silentprotagonist 28. Oktober 2013 um 13:38 Uhr

    Ich denke, dass ist ein in „solchen“ Berufen weit verbreitetes Problem. Fällt mir aber trotzdem am eigenen Leib immer wieder auf und ärgert mich dann einfach.
    Schließlich können die Leute nix dafür, dass das heute schon mein 9 Tag ist und haben es nicht verdient, von mir anders behandelt zu werden als an Tag Nr. 1.

    Aber solange mir das noch auffällt, kann ich auch immer noch bewußt aus Situationen heraustreten, kurz durchatmen und dann wieder auf anderem Niveau weitermachen. Wäre auch schlimm, wenn ich direkt nach der Ausbildung schon so ausgebrannt wäre ;-)

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